Pia Knobloch Sechtem

Pia, du spielst beim 1. FC Köln in der 2. Fußball-Bundesliga der Frauen und warst auch schon bei Bayer Leverkusen in der 1. Liga. Aber wie bist du überhaupt zum Fußball gekommen?

Pia Knobloch: Ich bin in eine Art Fußballfamilie hineingeboren worden: Mein Vater hat gespielt, mein Onkel, meine Cousins, meine Schwester und mein Bruder spielen. Und meine Mutter erzählt oft, dass ich schon als Baby gegen jeden Ball getreten hätte. Sie hat immer an mein Talent, mein Können und meinen Traum geglaubt und mich immer unterstützt. Mit dem Vereinsfußball angefangen habe ich schon mit vier, fünf Jahren in Bornheim beim FV Salia Sechtem. Als die Familie dann aus beruflichen Gründen meines Vaters nach Südkorea gegangen ist, haben wir dort die Chaboom Soccer School entdeckt. Da wurde ich dann drei Jahre lang von einem ehemaligen Bundesligasspieler von Bayer Leverkusen, Bum Kun Cha, trainiert.

Wie ging es dann weiter? Wann wurde es richtig ernst?

Pia: Zurück in Bornheim wurde ich von einem Scout angesprochen, der eigentlich Jungs gesichtet hat. Er hat gesehen, dass ich mithalten kann, und so bin ich mit elf, zwölf Jahren zum Mittelrhein-Stützpunkt eingeladen worden. Dort fördert der Fußballverband besonders talentierte Jugendliche mit zusätzlichem Training. In meinen Vereinen habe ich bis zum Ende der C-Jugend immer als einziges Mädchen in den Jungenmannschaften gespielt. Da lernst du, dich durchzusetzen, und wirst richtig gefordert. Als mit 16 der Sprung in den Frauenbereich anstand, begann meine Fußballkarriere erst richtig. Ab da wusste ich, dass mehr daraus werden kann als nur ein Hobby.

War es schwierig für dich, als Mädchen bei den Jungs zu spielen?

Pia: Anfangs gar nicht, vor allem, weil wir uns in Sechtem auch von der Schule her kannten. Später beim FC Flerzheim, wo ich ein Jahr lang gespielt habe, wurde es langsam unangenehm für mich, denn die Jungs dort waren in einem Alter, wo sie ein Mädchen im Team nicht mehr so akzeptiert haben. Danach beim VfL Meckenheim lief es wieder viel besser. Von Meckenheim wechselte ich dann zum SSV Berzdorf. Im Nachhinein war das das Beste, was mir passieren konnte. Dort wurde ich direkt akzeptiert, so dass sich auch Freundschaften entwickelten; sogar meinen jetzigen Freund habe ich dort kennengelernt. Nur durfte ich ab der B-Jugend eben nicht mehr bei den Jungs spielen. Doch da hat mich dann Doreen Meier, die Trainerin von Bayer 04 Leverkusen, angesprochen. Eine Riesensache für mich! Immerhin war Bayer gerade in die 1.Liga aufgestiegen. Ich habe natürlich sofort zugesagt, allein schon wegen der Chance, unter profiähnlichen Bedingungen Fußball spielen zu können.

Doch in Leverkusen hat es dich dann ganz böse erwischt…

Pia: Ja, leider. Beim Trainingslager in Bitburg ist mein Kreuzband gerissen. Das hat mich richtig aus der Bahn geworfen. Ich musste fast zehn Monate aussetzen und habe es dann nicht mehr geschafft, wieder in die Mannschaft reinzukommen. Doch ich bin sehr willensstark und ehrgeizig und lasse mich auch von schweren Rückschlägen nicht unterkriegen. Und ich lebe für den Fußball. Deshalb kämpfe weiter für meinen Traum, professionell Fußball zu spielen – seit dieser Saison beim 1. FC Köln in der 2. Bundesliga. In Köln haben wir eine ganz junge, dynamische Mannschaft, wo ich mich sofort wohlgefühlt und gemerkt habe: Hier passt du genau rein.

Was sind deine fußballerischen Stärken und Schwächen?

Pia: Ich bin kein Sprintwunder, das heißt, die Schnelligkeit fehlt mir ein wenig. Meine Stärken sind meine Technik und mein gutes Auge. Ich habe eine gute Übersicht und kann das Spiel lesen; ich bin torgefährlich und gebe oft die Vorlage zum Tor.

Interessierst du dich privat eher für Männer- oder für Frauenfußball?

Pia: Ich habe die Frauen-WM interessiert verfolgt. Die WM hat gezeigt, dass der Frauenfußball einen großen Fortschritt in den Bereichen Athletik, Taktik und Technik gemacht hat. Am Wochenende gucke ich regelmäßig die Sportschau. Meine Lieblingsklub ist der 1. FC Köln, schon von klein auf. Ich gucke außerdem die Spiele meines Freundes, der in Merten spielt. Wenn ich frei habe und irgendwo ein gutes Spiel ist, sehe ich mir das gerne an. Manchmal schaue ich auch die Spiele meiner alten Mannschaft in Leverkusen, einfach, um alle mal wiederzusehen. Ich bin also ziemlich am Fußballgucken interessiert, egal ob Männer- oder Frauenfußball.

Hast du ein Vorbild?

Pia: Ein Vorbild für mich ist die Ski-Rennfahrerin Maria Riesch, die ebenfalls schwere Verletzungen hatte, trotzdem nicht aufgegeben hat und wieder nach ganz oben gekommen ist. Aber auch die Nationalspielerin Kim Kulig finde ich klasse. Sie spielt auf meiner Position, der 6, und wirkt immer total souverän. Das imponiert mir. Außerdem habe ich schon selbst gegen Kim gespielt.

Frauen verdienen längst nicht so viel wie die Männer in der ersten oder zweiten Bundesliga. Trotzdem träumst du vom Profi-Fußball.

Pia: Auf jeden Fall. Aber ich bin realistisch. Wenn man als Fußballerin richtig gut verdienen könnte, wäre der Sport ganz klar mein Favorit. Aber das ist leider noch nicht so, und deshalb sollte man sich immer ein zweites Standbein schaffen – also Schule, Ausbildung und Beruf nicht vernachlässigen. Mein Berufswunsch ist Kauffrau für Versicherung und Finanzen. Vor Kurzem habe ich ein Praktikum in der Kreissparkasse gemacht, die Sponsor des 1. FC Köln ist. Eine Anstellung dort würde es mir ermöglichen würde, meine Arbeitszeiten mit den Trainingszeiten zu vereinbaren. Ganz schlimm wäre es für mich, wenn ich aus beruflichen Gründen mit dem Hochleistungsfußball aufhören müsste.

Wie groß ist der Leistungsdruck für dich und wie wirst du damit fertig?

Pia:Leistungsdruck gibt es auf professioneller Ebene immer. Die Leistungsdichte ist enorm, jede Position im Team ist dreifach besetzt. Um überhaupt spielen zu dürfen, musst du schon herausragen – und das ist nicht ganz einfach, denn in unserer Liga sind eben sehr viele Mädels sehr gut. Da wächst dann natürlich auch der Konkurrenzkampf. Und ich mache mir auch selber viel Druck, weil ich eben immer meine optimale Leistung abrufen will. Die Anspannung und die Aufregung sind sowieso vor jedem Spiel da. Aber nach dem Anpfiff und einer guten Aktion habe ich nur noch Spaß, und alles ist vergessen.

Wie vereinbarst du die Schule mit dem Training?

Pia: Bei vier- bis fünf malTraining pro Woche und Punktspielen am Wochenende ist das nicht leicht. Aber ich versuche, Schule, Freunde, Freund und Training irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Hausaufgaben mache ich oft schon in den Freistunden oder eben in der Stunde, die ich zu Hause vor dem Training noch habe. In anderthalb Jahren will ich mein Abi machen, und bis jetzt funktioniert zum Glück alles ganz gut.

Foto: Nadine Gerner, Quelle: Kölner Stadtanzeiger

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