Hufschlag & Braun

Der Bornheim-Sechtemer Friedhof. Ein ungewöhnlicher Ort für ein Interview, aber interviewt werden schließlich auch zwei außergewöhnliche Typen. Warum außergewöhnlich? Weil Patrick Braun (20) und Carlos Hufschlag (19) es geschafft haben, sich innerhalb nur eines Jahres in der Kölner Musik- und Partyszene zu etablieren – und das mit ganz spezieller Musik: Die beiden jungen Sechtemer produzieren elektronischen Pop am Computer und führen ihre Tracks am liebsten live auf. Wie sie zu dem „kreativen“ Namen gekommen sind? „Wir haben lange überlegt, aber irgendwann kamen wir an einen Punkt der Erschöpfung und entschieden uns einfach für unsere eigenen Nachnamen“, erklärt Hufschlag, „in der Technoszene haben nur wenige einen Künstlernamen. Man steht einfach zu sich selbst.“
Aufgelegt und gespielt hat das Elektronik-Duo vom Lande schon in bekannten Kölner und auch Berliner Klubs wie dem „Bogen 2“ oder dem „Stadtgarten“, ebenso bei angesagten Partys und Messen wie der „Total Confusion“ und der Gamescom. Dabei machen „Hufschlag & Braun“ erst seit einem Jahr gemeinsame Sache. Früher haben die beiden unabhängig voneinander musiziert. Patrick spielt Schlagzeug und Gitarre, Carlos hat von Blockflöte über Klarinette bis hin zu Gitarre und Bass alles ausprobiert und sogar Gesangsunterricht genommen. Einmal wollten sie mit Freunden eine Funk-Band gründen, doch das ging schief.

Keine DJs, sondern Musiker
Nach langer Funkstille sind sie dann mal „zusammen Autoscooter gefahren“, witzelt Carlos – und stellten erstaunt fest, dass sie ähnliche Musik hören, vorzugsweise Techno-Pop im Stil von „Four Tet“, „Caribou“ oder „Coma“. „Das hat uns sehr inspiriert, und da Patrick ein Musikprogramm zu Hause hatte, haben wir uns einfach mal bei ihm eingeschlossen und ganz euphorisch losgelegt.“ Es funktionierte auf Anhieb: Aus Hunderten von Versatzstücken aus dem digitalen Musikbaukasten bastelten sie mit Hilfe von Keyboards und Controllern ihre ganz eigene elektronische Tanzmusik zusammen – und platzierten ihre Tracks auf Myspace: „Wir saßen den ganzen Tag davor und haben uns bei jedem Klick gefreut wie kleine Kinder“, schmunzelt Patrick. Bald folgte ein Auftritt im Brühler Jugendzentrum „Cultra“, wo sie ein Mitarbeiter des in der Elektro-Szene hoch geschätztenKölner „c/o pop“-Festivals hörte. Der Mann war so begeistert, dass er „Hufschlag & Braun“ gleich einen „c/o pop“-Auftritt vermittelte. Inzwischen stehen Carlos und Patrick sogar bei der „c/o Pop“-Booking-Agentur unter Vertrag. „Am Anfang haben uns viele unserer Freunde belächelt, aber inzwischen haben sie gemerkt, dass in unserer Musik offenbar doch ein gewisses Erfolgspotenzial steckt“, freut sich Carlos, „um unser Ding zu verstehen, muss man nicht unbedingt zehn Jahre Technojünger gewesen sein, sondern einfach nur offene Ohren und Bock auf was Neues haben.“ Derweil betont Patrick, dass „wir keine DJs sind, sondern unsere eigene Musik live performen.“ Doch statt konventioneller Instrumente benutzen „Hufschlag & Braun“ eben im PC gespeicherte elektronische Sounds und Samples, die mittels spezieller Controller ganz indiviudell und immer wieder neu miteinander verknüpft werden.

Laut Facebook decken die beiden dabei das Genre „Techno, House, Pop und Traum“ ab. Was Traum genau bedeutet, erklärt Patrick etwas genauer: „Traum beschreibt die Stimmung unserer Musik, es geht eben auch darum, beim Tanzen mal die Augen schließen zu können.“ „Unsere Musik ist voll von naiven Emotionen und kann manchmal total kitschig und verträumt sein“, meint Carlos.

Auf großer Traumreise
In drei Worten würden „Hufschlag & Braun“ ihre Musik als „poppig, emotional, verträumt“ beschreiben. Wenn eine Idee da ist, kommen die beiden in eine Art „Musikrausch“ – und wenn sie daraus aufwachen, haben sie manchmal schon einen fast fertigen Track zusammen. Gemixt wird mit einem Musikprogramm, das schon viele gute Sounds enthält. Manchmal spielt der Papa die ein oder andere Basslinie ein oder Carlos liefert eine kleine Gesangseinlage, um den Track zu perfektionieren. Manche Sounds wie zum Beispiel Vogelgezwitscher oder das Abfahren eines Zuges wie in ihrem Song „Train to Cologne“ sind selbst aufgenommen. Carlos sorgt für die Effekte und Feinheiten, er ist der „Emotionsfachmann“, während Patrick sich um die Arrangements kümmert und die Stücke beim Live-Act strukturiert. Beide geben zu, vor jedem Auftritt ziemlich aufgeregt zu sein. Doch das legt sich schnell. „Meistens spielen wir eine Stunde lang, und in dieser Stunde wollen wir die Leute mit auf eine kleine Traumreise nehmen“, sagt Carlos, „es gibt da ganz viele Höhen und Tiefen, da ist für jeden etwas dabei. Wir fahren mit unserem Publikum dahin, wo es schön ist“. So eine Tour ist für die Reiseführer allerdings auch ganz schön anstrengend, weil höchste Konzentration nötig ist, um alles im Griff zu behalten.

Voller Vorfreude blickt das Duo den kommenden Auftritten entgegen. Zu den Highlights in diesem Jahr zählen ihre ersten Termine im Ausland (Frankreich) und ein Auftritt beim „Melt“-Festival in Ferropolis. Doch „Hufschlag & Braun“ bleiben auf dem Teppich:. „Die Frage, ob wir unsere Musik zum Beruf machen wollen, stellt sich erst, wenn es die Möglichkeit dazu gibt“, sagen sie, „wir gucken erst mal immer nur auf morgen“.

Foto: Nadine Gerner, Quelle: Kölner Stadtanzeiger

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