High Voltage Sechtem

In einem kleinen Keller in Sechtem wird die dörfliche Stille zuweilen kräftig von wilden Rock-Klängen durchbrochen. Verantwortlich dafür ist die Band High Voltage Sechtem, die bereits 2008 von vier damals gerade mal zwölf Jahre alten Jungs gegründet worden ist. Joe Erpenbeck (16) und Tim Schidlowski (16) sind damals nebeneinander gezogen, der eine Drummer, der andere E-Gitarrist. „Als ich hörte, dass Tim Schlagzeug spielt, stand fest: Wir sollten was zusammen machen“, erinnert sich Joe Erpenbeck. Für den Bass wurde Nicola Gallo (16) geholt, der wiederum seinen besten Kumpel Stefan Marx (16) als Sänger für die Band gewann – und schon war die klassische Viererbesetzung komplett.

Der Name High Voltage Sechtem deutet schon darauf hin, dass die Freunde auf Rockmusik der härteren Art stehen. Den Ortsnamen Sechtem haben sie dazugesetzt, um Verwechslungen mit einer gleichnamigen älteren Band zu vermeiden. „Boss Hoss, Die Toten Hosen, Metallica und Billy Talent zählen zu unsere Favoriten“, verrät Nicola. „Und unser Bandname entstand, als wir in unserer ACDC-Phase auf dem Balkon saßen und deren Musik hörten“, ergänzt Joe. Kenner wissen natürlich direkt Bescheid: „High Voltage“ ist ein Hit der legendären australischen Schwermetaller.

Stilistisch flexibel
Hochspannung ist auch bei High Voltage Sechtem angesagt, wobei sich die Combo stilistisch aber nicht ausschließlich auf Hardrock festlegen will. Die Jungs sind da ziemlich flexibel: Gespielt wird, was Spaß macht. „Wir sind nicht auf eine bestimmte Richtung festgelegt. Wir machen das, worauf wir Bock haben“, erklärt Tim. Offiziell ordnen sie ihre Musik als „New Indie Rock“ ein und haben neben Stücken, die richtig reinfetzen, auch ruhigere Nummern im Angebot. Neben eigenen Sachen auch Coversongs zu spielen finden die vier völlig in Ordnung. „Es ist langweilig für das Publikum, nur Songs zu hören, die niemand kennt“, meint Tim pragmatisch. Also stimmen sie auch schon mal Klassiker wie „Knocking on Heavens Door“, oder „Rolling in the Deep“ an. Für Stefan als Sänger ist weder Bob Dylan noch Adele eine Hürde, obwohl er nie Gesangsunterricht genommen hat.

Debüt im Youthclub
Außerdem sind er, Nicola und Joe die Songwriter der Band. Die Ideen für einen neuen Song bekommen Sie auf ganz unterschiedliche Art und Weise. „Meistens fallen mir Texte in der Schule ein, deshalb ist auch mein ganzes Hausaufgabenheft damit vollgekritzelt“, grinst Stefan. Nicola hingegen bekommt seine Ideen meist beim Fahrradfahren: „Ich mache dann schnell eine Handyaufnahme und summe auch schon die Melodie mit. Zu Hause bringe ich es dann auf Papier.“ Das Gitarrespielen hat Nicola sich selbst beigebracht. Schlagzeuger Tim hingegen hat ganz traditionell angefangen – im Tambourkorps.

Ihre ersten Auftritte hatten High Voltage Sechtem im Sechtemer Youthclub, wo sie immer noch regelmäßig spielen. Gern lässt sich die Combo auch für Hochzeiten, Betriebsfeste oder Benefiz-Events buchen. Auch in der Bonner Klangstation haben sie schon ein Konzert hingelegt. Vor solchen größeren Auftritten sind die Rocker aber immer noch ganz schön nervös. „Ich hatte schon richtige Zitteranfälle wie bei wichtigen Klassenarbeiten in der Schule“, gibt Joe zu.

Wettbewerbserfahrungen
Egal ob Matheklausur oder Bühnenauftritt: Das beste Mittel gegen Stress ist eine gute Vorbereitung. „Vor unseren Auftritten legen wir uns immer richtig ins Zeug“, erzählt Tim. Da wird statt einmal auch schon mal sechsmal wöchentlich geprobt, vor allem vor Wettbewerben. Anfang 2012 hat die Band am „Popmotor“-Wettbewerb teilgenommen und immerhin ihre Vorrunde gewonnen. Im Viertelfinale war leider Schluss, wobei die Konkurrenz teilweise aber deutlich mehr Erfahrung in die Waagschale werfen konnte als die Teenager aus Sechtem.

Kurz vor Weihnachten stand dann ein weiterer namhafter Nachwuchswettbewerb auf dem Spielplan: High Voltage Sechtem trat bei der Kölner Vorrunde des internationalen „Emergenza“-Band Contests im „Underground“ an und belegte immerhin einen guten Mittelfeldplatz. Dass das Halbfinale knapp verfehlt wurde, ist für Tim nicht tragisch: „Uns war es vor allem wichtig, Leute aus der regionalen Szene zu treffen und ein paar Kontakte zu knüpfen.“

Für ihren Traum, irgendwann vielleicht einmal vor großem Publikum in der Live Music Hall spielen zu dürfen, wollen die Hochspannungsrocker jedenfalls weiter Vollgas geben: „Wenn eine Chance gekommen ist, dann haben wir sie bis jetzt immer angenommen, und das werden wir auch in Zukunft tun.“

Foto: Nadine Gerner, Quelle: Kölner Stadtanzeiger

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