Laura Widak

Mit 16 Jahren schon in der Fußball-Bundesliga spielen? Was bei den Männern kaum vorstellbar ist, kann bei den Frauen durchaus klappen – aber nur, wenn frau so viel Talent mitbringt wie Laura Widak. Die flinke Stürmerin gehört nicht nur dem Frauen-Bundesliga-Team von Bayer 04 Leverkusen an, sondern sie hat mit der deutschen U 17-Auswahl kürzlich auch den Europameistertitel bei den Juniorinnen geholt. Ich habe mich für „Junge Zeiten“ dort mit Laura getroffen, wo die noch junge, aber vielversprechende Karriere begonnen hat: auf dem Sportplatz des FV Salia in Bornheim-Sechtem.

Kaum sind wir angekommen, da holt Laura auch schon den Ball aus der Sporttasche und führt mir ein paar technische Übungen vor. So ist sie: Egal, was die inzwischen 17-Jährige auch macht, ein Ball sollte am besten immer in der Nähe sein. Dabei wollte die heutige Bundesliga- und Junioren-Nationalspielerin als Kind eigentlich gar nicht im Verein kicken.

Großer Trainingseifer
„Der Trainer der Salia-F-Jugend hat mich immer gefragt, ob ich nicht mal zum Training kommen möchte, aber ich wollte lieber auf dem Spielplatz kicken“, erinnert sie sich. Weil aber immer mehr Klassenkameraden zur Salia gegangen sind, ist Laura mit neun Jahren dann doch beim Klub gelandet. Angefangen habe das Ganze aber schon im Kindergarten oder sogar noch früher, erzählt Lauras Mutter: „Schon als ganz kleines Mädchen hat man sie nie ohne Ball gesehen.“

Mit 14 Jahren fiel Laura dann bei einem Hallenturnier den Talentsichtern vom Fußballverband Mittelrhein auf, und sie trainierte ein Jahr lang beim DFB-Mädchenstützpunkt für besonders begabte Spielerinnen aus dem Vorgebirge. Die Berufung in die Mittelrhein-Auswahl ließ nicht lange auf sich warten. Einsätzen beim U 15-Länderpokal folgte die erste Einladung zu einem DFB-Lehrgang mit Sichtung für das Jugendnationalteam.

„Es wurden mehr und mehr Spielerinnen aussortiert; wir wurden immer weniger“, erzählt Laura, „leider habe ich bei meinem ersten Lehrgang nicht so gut abgeschnitten, aber davon habe ich mich nicht beunruhigen lassen“.
Ein Jahr später – Laura war inzwischen in die Altersklasse U 17 hineingewachsen – klappte es besser: Die junge Bornheimerin wird nun regelmäßig zu DFB-Lehrgängen eingeladen. „Anfangs war ich überrascht über das anspruchsvolle Training“, gibt sie zu, „da wird man wirklich richtig gefordert.“

Laura merkte schnell, dass es auf Dauer nicht reichen würde, zwei Mal pro Woche bei ihrem Sechtemer Heimatverein zu trainieren. „Unter der Woche bin ich zusätzlich laufen gegangen und habe Kraft- und Stabilisationsübungen gemacht – vor den Leistungstests auch schon mal morgens und abends. Ich musste immer mehr trainieren als die anderen bei uns im Verein. Ohne mein zusätzliches Programm hätte ich mit den Mädels in der National- und in der Verbandsauswahl einfach nicht mithalten können.“

Doch der Fleiß wurde belohnt: Bei den Lehrgängen machte Laura Widak den Trainer von Bayer Leverkusen auf sich aufmerksam, überzeugte beim Probetraining und spielt nun fest bei Bayer. Seit dem vergangenen Sommer gehört sie zum Bundesliga-Team. Der Abschied vom FV Salia Sechtem ist ihr trotzdem nicht leicht gefallen: „Es war eine schöne Zeit, und ich denke gern zurück. Vor allem meinen ehemaligen Trainern Dieter Steiger, Jakob Braun, Heinz und Matthias Weiler bin ich bis heute dankbar, dass sie mich so gut gefördert haben.“

Wie ernst es Laura mit dem Fußball meint, erkennt man schon daran, dass die Zehntklässlerin inzwischen sogar in Leverkusen zur Schule geht. So gewinnt sie Zeit fürs Training, das nun statt zweimal wöchentlich manchmal zweimal täglich auf dem Programm steht. Laura nimmt das gerne auf sich: „Ich wusste, dass sich mit dem Wechsel vieles für mich ändern würde, aber ich habe mich bei Bayer von Anfang wohlgefühlt und wollte unbedingt weiterkommen“. Und sie ist für ihr Alter schon ganz schön weit gekommen: Ihr erstes Länderspiel hat sie mit der U 16 gegen Dänemark bestritten und gleich ein Tor geschossen. Ein Meilenstein war der Sieg bei der U-17-EM. Laura war bei allen Spielen im Team und erzielte im Finale gegen Spanien ein Tor im entscheidenden Elfmeterschießen.

Auf nach Costa Rica!
Ein weiteres Highlight war ihr erster von inzwischen vier Bundesliga-Einsätzen. „Mit acht Jahren habe ich mit meinem Vater die ersten Bundesliga-Spiele im Stadion geschaut und mir Autogramme der Spielerinnen geholt. Damals habe ich mir gewünscht, auch mal so zu spielen, und jetzt ist dieser Traum wahr geworden“, schwärmt sie. Ihrem Papa, der sie zu ungezählten Spielen gefahren und immer geholfen hat, wenn für den Fußball irgendetwas zu regeln war, ist Laura besonders dankbar. Manchmal sieht man die beiden noch heute auf dem Sechtemer Sportplatz ein paar Bälle schießen.
Dabei vergisst Laura dann auch den Druck, dem sie als National- und Bundesligaspielerin ausgesetzt ist. „Druck ist sicher da, aber wenn man auf dem Platz steht, darf man nicht daran denken, sondern muss einfach Fußball spielen. Der Rest kommt von ganz allein“, erklärt sie gelassen und freut sich auf eine oder vielleicht auch zwei große Fußball-Reisen. Ende Januar gibt’s ein DFB-Trainingslager in Portugal. Und wenn Laura dort überzeugt, fliegt sie im April sogar nach Costa Rica – zur U-17-Weltmeisterschaft.

Foto: Getty Images, Quelle: Kölner Stadtanzeiger

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