Liebe Sechtemerinnen und Sechtemer,
liebe Freunde unseres Dorfes,

dieses Jahr wird uns wohl allen ganz besonders im Gedächtnis bleiben und so unterscheidet sich auch dieser „Weihnachtsbrief des Ortsvorstehers“ ganz grundlegend von allen vorherigen. Foto: Mario Wiesner

Zunächst einmal möchte ich jedoch dafür danken, dass Sie mir in großer Zahl das Vertrauen ausgesprochen haben und ich so am 5. November wieder als Sechtemer Ortsvorsteher vereidigt wurde. Ich werde mich bemühen, der Verantwortung gerecht zu werden.

Während ich in den vergangenen Jahren immer auf ein bewegtes Jahr voller toller Aktionen zurückblicken konnte, endet der Rückblick in diesem Jahr mit dem Kinderkarnevalszug als letzte Großaktion des ablaufenden Jahres. Mit 811 Teilnehmer/innen war der 27. Kinderkarnevalszug wie immer großartig. Gefeiert wurde unter dem Motto „Mit Hätz und Siel loofe mir och dat 27. Mol durch et Ziel.“ Dank Glasverbotszone hielt sich die Zahl der Schnittverletzungen dieses Mal auch in Grenzen. Leider ist es jedoch vereinzelt wieder zu Zerstörungen im Dorf gekommen. Die Bank an der Ecke Münstergraten / Wendelinusstraße hat wahrscheinlich manch einer von Ihnen gesehen.

Nach Karneval kam dann zunächst die große Leere. Wir lernten, dass man nur mit Einkaufwagen einkaufen darf und vor den Läden anstehen muss, weil sie nur von einer bestimmten Personenzahl betreten werden durften. Auch Masken – oder besser textile Mundnasenbedeckungen – sollten wir tragen. Doch woher nehmen? Nicht JedeR kann schließlich nähen und in den Läden oder im Internet waren sie schnell ausverkauft oder (unverschämt) teuer. Die kfd hat das Problem schnell erkannt und ihre Mitglieder haben das Dorf unermüdlich mit Masken versorgt. Und das alles gegen Spenden für einen guten Zweck. Dafür nachträglich – sicher auch im Namen der vielen „Nicht-näh-befähigten“ ein ganz herzliches Dankeschön!

Die Situation war für die meisten von uns, die wir noch keinen Krieg oder eine Pandemie erlebt hatten, neu. Vieles, was gestern noch selbstverständlich vorhanden war, hatte plötzlich geschlossen. Die Gastronomie durfte nur noch außer Haus verkaufen, was aber nicht für alle einen Sinn ergab und in vielen Fällen zur faktischen Vollschließung führte. Unsere Friseure und Blumenläden mussten genauso geschlossen bleiben, wie viele andere Geschäfte, die nicht unter die Ausnahmeregelungen fielen. Sogar die Kirche blieb aus Infektionsschutzgründen gänzlich geschlossen.

Auch wenn die Schließung der Metzgerei Speck und der Bäckerei Zündorf nichts mit Corona zu tun hatten, haben unsere Kaufleute schon ziemlich mit den Umsatzrückgängen zu kämpfen und es wäre sicherlich erstrebenswert, keine weiteren „Verluste“ zu erleiden. Schauen Sie doch einfach mal, ob sich Ihr Bedarf nicht auch vor Ort decken lässt.

Alle wesentlichen Veranstaltungen im restlichen Jahr – also nach Karneval – sind ausgefallen. Teilweise waren sie gänzlich untersagt, teilweise wären sie nur unter ehrenamtlich schwer zu realisierenden Auflagen durchführbar gewesen. Im Nachhinein betrachtet hat Merten und Hemmerich gezeigt, dass der Sechtemer Garagentrödel durchführbar gewesen wäre. Mir war das Risiko aber zu hoch, ich wollte keine Virenverbreitungsaktion im Dorf organisieren. Ich hoffe, dass alle einen Lagerplatz für ihren Trödel gefunden haben und wir dann in 2021 neu starten können.

Viele Vereine haben es aufgrund der wegbrechenden Einnahmen auch sehr schwer. Auch die üblichen Straßensammlungen mussten ausfallen. Glücklicherweise konnte die kfd Sechtem dem Tambourcorps aus den Erlösen für die Masken 2.000 Euro zur Verfügung stellen. Unser Strickkreis hat trotz der fehlenden Veranstaltungen Wege gefunden, ihre Produkte zu verkaufen und konnte unter anderem die Jugendfeuerwehr mit 200 Euro unterstützen. Aber auch außerhalb der Vereine gab es Unterstützungen; so hat sich z.B. für das Track one coffee, das unter dem Lockdown besonders gelitten hat / leidet inzwischen ein kleiner Unterstützerkreis gefunden.

Nicht weitergekommen sind wir in Sechtem leider in Sachen Ersatzfläche für den weggeklagten Bolzplatz. Die Stadt hat zwei genehmigungsfähige Grundstücke im Umfeld des Fußballplatzes im Blick. In beiden Fällen kommt sie mit den Grundstückseigentümern aber nicht weiter.
In so traurigen Zeiten lässt sich zu unserem Friedhof immerhin Positives vermerken. Ein Teil der zentralen Wege wurde asphaltiert, was bei schwierigen Witterungsverhältnissen sicher eine Erleichterung ist. Außerdem gibt es jetzt „Leihkarren“, die den Transport von schweren Dingen deutlich erleichtern sollten. Dass man jetzt nicht mehr mit dem Auto bis ans Grab fahren kann, hat sicher nicht alle erfreut, ist insgesamt aber sicher richtig.

Danke an dieser Stelle an Yvonne Meißler von Blumen Breuer, die sich um die Gestaltung der Pflanzgefäße vor dem Friedhof kümmert. Eher beiläufig habe ich erfahren, dass die dabei verwendeten Blumen seit geraumer Zeit von Blumen Heinen gespendet werden. Dafür natürlich auch ein recht herzliches Dankeschön!

Kein Asphalt, aber Pflastersteine vervollständigen seit dem Sommer den Weg rund um Sechtem im Bereich der Kolberger Straße. Während man sich früher durch einen engen Pfad mit reichlich Brennnesseln schlängeln musste, lädt der Weg jetzt wirklich zu einem Spaziergang ein. (Der Beschluss zum Bau des Weges wurde übrigens bereits 2016 gefasst.)
Ein positives Moment in diesem Jahr war auch, dass Heinz Vorzepf von der Stadt Bornheim im Rahmen des „Heimatpreis 2000“ für seine Arbeiten zur Sechtemer Lokalgeschichte mit einem Sonderpreis ausgezeichnet wurde.

Nicht nur baulich hat sich bei unserer Feuerwehr einiges getan. Besonders die neuen Tore hat sicher schon jeder gesehen. Aber auch für die bessere Absaugung der Abgase ist jetzt gesorgt. Der Fuhrpark wurde auch erneuert und erweitert, so dass ein Fahrzeug – ein Mannschaftstransportwagen (MTF) – einen neuen Carport vor dem Feuerwehrhaus bekommen hat, weil es in der Halle keinen Platz mehr gefunden hat. Leider hat am 2. September jemand diesen Standort zum Anlass genommen, die Frontscheibe des Fahrzeugs einzuschlagen. Da fehlen einem die Worte!

Die Schulung der Feuerwehrleute auf das neue große Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF20) stellte die Wehrleitung Corona-bedingt vor eine besondere Herausforderung. Mit geteilten Gruppen wurde aber in fast 400 Stunden Ausbildung auch dieses Problem gelöst, so dass das Fahrzeug inzwischen in den Einsatzdienst gestellt werden konnte. Das 25 Jahre alte Löschfahrzeug konnte damit ausgemustert werden.

Ein Dauerbrenner im Dorf ist das Thema ÖPNV. Allen recht machen kann man es hier sicher nicht. Während die einen sich freuen, dass sie mit dem Bus problemlos zu den Ärzten nach Bonn-Duisdorf kommen, beklagen sich die anderen über (wenig gefüllte) Gelenkbusse. Unser Dorf ist recht eng für solche Busse, aber im weiteren Streckenverlauf bzw. zu verschiedenen Tageszeiten werden diese großen Busse benötigt. Grundsätzlich glaube ich, dass wir – jenseits von persönlichem Ärger – einer Meinung sind, dass wir den ÖPNV – auch aus ökologischen Gründen – stärken sollten und die Busse durch das Dorf fahren müssen, weil sie die Menschen dort abholen müssen, wo sie wohnen und nicht irgendwo außerhalb.

Als Ergebnis einer Begehung Anfang November ist jetzt zunächst die Einrichtung weiterer Parkverbote auf dem Münstergarten erfolgt, um weitere „Vorgartendurchfahrten“ von Bussen zu verhindern. Langfristig denkt man bei der Stadt über alternative Linienführungen nach, die sich jedoch nur mit erheblichen Änderungen der Sechtemer Verkehrsführung realisieren ließen. Ich persönlich hoffe, dass sich die Lage durch die zusätzlichen Parkverbote ausreichend entspannt.
Besondere Stilblüten brachte das Jahr in Sachen Schienenverkehr bzw. Schienenersatzverkehr. In den Sommerferien, also in einer Zeit, in der die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Deutschland im Bereich von 500 bis kurz über 1.000 lag, donnerten zweimal pro Stunde drei – in der Regel fast leere – Gelenkbusse durch das Dorf um den stillliegenden Schienenverkehr auszugleichen. Nur so (und nicht z.B. mit „normalen“ Bussen, die an der Nordseite des Bahnhofs hätten anfahren können) konnte angeblich ein ausreichender Abstand der Fahrgäste sichergestellt werden. Im November war und ist es – bei über 20.000 Neuinfektionen pro Tag – jedoch kein Problem, mit einem einzigen Zug pro Stunde – also ganz ohne Schienenersatzverkehr – die Menschen dichtgedrängt zu „transportieren“. Wahrscheinlich muss man bei der Nahverkehr Rheinland GmbH arbeiten, um diese Logik zu verstehen!

Einen kleinen Schritt weiter in Richtung Neubaugebiet Sechtem-Ost hat es zwischenzeitlich auch gegeben. Eine Beauftragung zur Durchführung des Umlegungsverfahrens ist erfolgt. Nach aktueller Planung ist mit den Bauarbeiten für die Umgehungsstraße nicht vor 2023 zu rechnen. Ob es für den Bau einer vollständigen Umgehungsstraße eine politische Mehrheit gibt, werden die anstehenden Haushaltsplanberatungen zeigen. Ohne jegliche offene Kommunikation und ohne eine erneute Information der Öffentlichkeit hat das Bauamt in der Zwischenzeit auch mal versucht, die Zahl der geplanten Wohneinheiten deutlich zu erhöhen. Rücksicht auf die vorhandene Infrastruktur, wie z.B. fehlende Kindergartenplätze, wurde dabei nicht genommen. Durch die gute Zusammenarbeit der Sechtemer Ratsmitglieder konnten diese Pläne jedoch verhindert werden.

Apropos Ratsmitglieder: Seit der Kommunalwahl sind wir Sechtemer wieder stärker im Rat vertreten. Im Rat haben wir jetzt fünf Mitglieder (Dr. Maria Böhme, Tina Görg-Mager, Dr. Gabriele Jahn, Dirk König und mich). Als „Sachkundige Bürger“ mit einem festen Sitz in (mindestens) einem der Ausschüsse wirken außerdem Elisa Färber, Andreas Geuer, Theo Geuer, Julia Gruneberg und Ewald Westphal mit.

Auch wenn es bei uns nicht so öffentlichkeitswirksam war wie in Kardorf (gemeint ist die „Nicht-Veranstaltung“ mit Polizei und Blaulicht vorneweg), ist Sankt Martin auch an Sechtem nicht einfach vorbeigezogen. Trotz fehlender Einnahmen aus den Martinslosen hat die Dorfgemeinschaft alle Kinder in Kitas und Grundschule mit einem Weckmann versorgt, auf Wunsch ist der Nikolaus auch persönlich vorbeigekommen. Viele Häuser waren mit Laternen geschmückt und im unmittelbaren Umfeld gab es ganz unspektakulär auch eine Reihe von Süßigkeiten.

Auch der Nikolaus hat in Sechtem vorbeigeschaut. Etwas anders als sonst, aber trotzdem viele Kinder den Nikolaus gesehen und einen Schoko-Nikolaus erhalten.

Ganz anders funktionieren in diesem Jahr die ökumenischen Adventsfenster. An den Sonntagen gibt es – wie gewohnt – Andachten in den Kirchen, aber wochentags gibt es keine „Veranstaltungen“ an den geschmückten Fenstern im Dorf. Aber die Fenster gibt es trotzdem, man muss nur selbst herausfinden wo sie sind. Wie das funktioniert? Einfach mal in die Sechtem-App schauen.

Das bevorstehende Weihnachtfest und der Jahreswechsel sind sicher auch sehr „speziell“. Immerhin sind nach einigem Hin und Her nach heutigem Stand jetzt doch Feiern mit 10 Personen aus mehreren Haushalten möglich. Das schränkt zwar ein, sollte aber für viele Familien irgendwie praktikabel sein.

Das war jetzt wirklich ein ganz anderer Weihnachtsbrief. Ich hoffe sehr, dass ich im nächsten Jahr wieder von vielen tollen Veranstaltungen, wie zum Beispiel der Maifeier, dem Burgenlauf, dem Feuerwehrfest und dem Oktoberfest des Tambourcorps berichten kann.

Jetzt bleibt mir zunächst, Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr zu wünschen. Feiern Sie die Feste im (kleinen) Kreis Ihrer Familie und engen Freunde und vor allem: Bleiben Sie gesund!

Ihr Sechtemer Ortsvorsteher, Rainer Züge